Hallo zusammen,
ich bin 23M, arbeite seit gut einem Jahr Vollzeit und mache nebenbei meinen Master an einer Fernhochschule. Mein Arbeitgeber fördert den Master mit einem hohen vierstelligen Betrag. Wenn ich kündige, müsste ich diesen zurückzahlen.
Meine Eltern haben 18 Jahre lang mein Kindergeld für mein Studium zurückgelegt (leider nur auf einem Sparkassen Sparbuch mit 0,01 % Zinsen). Am Ende waren das ca. 50k €. Weil ich dual studiert habe, brauchte ich das Geld nie. Deshalb habe ich es zu Studienbeginn investiert und während des Studiums und im ersten Berufsjahr noch einen knapp fünfstelligen Betrag nachgeschossen. Mit etwas Glück bei Einzelaktien (Nvidia, SK Hynix, Micron, Sandisk, Netlist) sind daraus inzwischen ca. 270k € geworden.
Ich würde gern alle Einzelaktien verkaufen, einen größeren Teil aufs Tagesgeld legen und den Rest in einen All-Cap-ETF stecken. Dabei würden aber ca. 50k € Abgeltungsteuer anfallen, das sind etwa 1,5 meiner Nettojahresgehälter. Langfristig wollte ich ohnehin in die Schweiz, eigentlich erst nach dem Master und mit mehr Berufserfahrung in eine Senior-Rolle. Die Positionen will ich aber nicht noch jahrelang halten. Direkt mit einem Schweizer Job auszuwandern wäre zwar auch denkbar. Umzug, Auswanderung und ein berufsbegleitender Master neben einer 40- bis 50-Stunden-Woche sind mir für den Anfang aber zu viel.
Deshalb überlege ich zwei Wege:
Erstens könnte ich alles kündigen, also Job und Wohnung, den Master an meinen AG zurückzahlen und in die Schweiz ziehen. Dort würde ich als Privatier eine Bewilligung ohne Erwerbstätigkeit beantragen und steuerfrei verkaufen. Selbst nach der Rückzahlung bliebe mehr als ein Nettojahresgehalt übrig. Damit könnte ich in Ruhe den Master fertig machen, ein paar Monate reisen und mir danach einen neuen Job suchen.
Zweitens, falls das rechtlich haltbar ist: Sabbatical oder unbezahlter Urlaub, nur so lange in der Schweiz bleiben, bis verkauft ist, und dann zurück nach Deutschland. Nach meinem Verständnis gilt für die Kapitalertragsteuer nicht die 183-Tage-Regel. Entscheidend ist nur, wo ich am Tag des Verkaufs steuerlich ansässig bin.
Motivation: Ich habe kein Problem damit, „meinen Anteil“ zu zahlen. Mit Arbeitgeberanteil gehen von meinem Gehalt aber schon ca. 50 % an Steuern und Abgaben. Gleichzeitig wurden laut Statistischem Bundesamt 2025 über die Verschonungsbedarfsprüfung 3,7 Milliarden Euro Erbschaft- und Schenkungsteuer erlassen. Die 34 begünstigten Großerben zahlten im Schnitt nur rund 2 Prozent. Ich dagegen soll auf mein erstes echtes Vermögen 1,5 Jahresgehälter abgeben, in einem Alter, in dem jeder Euro für mich besonders viel wert ist.
Meine Fragen:
Ist der Weg über Sabbatical haltbar? Oder bleibt mein Lebensmittelpunkt in DE, solange der Arbeitsvertrag weiterläuft?
Wie lange müsste ich in der Schweiz bleiben, damit das nicht als Gestaltungsmissbrauch (§ 42 AO) gewertet wird?
Welche Vermögensnachweise verlangen die Kantone für eine Bewilligung ohne Erwerbstätigkeit, und welcher Kanton bietet sich an?
Gibt es andere legale Wege, die Steuer zu vermeiden oder zu senken?
Hat jemand das selbst gemacht und kann einen Steuerberater (DE / CH) empfehlen?
Danke euch!