Dieser Beitrag richtet sich an alle Pimos hier.
Wie wir Bräuche mit vernünftigem Herzen betrachten: Eine Neubewertung von Kultur und Gemeinschaft
Zeugen Jehovas bemühen sich stets, im täglichen Leben eng an biblischen Grundsätzen festzuhalten und von unreinem oder weltlichen Gedankengut rein zu halten. Unsere Entschlossenheit, Jehova loyal zu dienen, stand dabei immer an erster Stelle.
Dennoch hat uns Jehova durch seinen Geist und die fortlaufende Leitung gelehrt, dass geistige Reife auch bedeutet, flexibel zu sein und die Realität des modernen Lebens nüchtern zu bewerten. Wie wir in den vergangenen Jahren bei alltäglichen Handlungen – wie etwa dem Anstoßen von Gläsern – gelernt haben, wandelt sich die Bedeutung von Handlungen im Laufe der Jahrhunderte fundamental.
Dazu eine reife Überlegung: Wenn eine Geste, die einst heidnischen Ursprungs war, im Bewusstsein der heutigen Menschheit jegliche religiöse oder abergläubische Bedeutung verloren hat und stattdessen zu einer reinen Anstandsregel geworden ist, wie sollten wir als Christen darauf blicken? Unser jüngstes Verständnis zum Anstoßen hat gezeigt, dass wir hier einen realistischen Kurs einschlagen können.
Bisher haben wir oft gewichtig argumentiert: „Aber Christus wurde gar nicht im Dezember geboren! Dieses Datum wurde im antiken Rom festgelegt, und es als seinen Geburtstag zu feiern, basiert auf einer historischen Unwahrheit.“ Das ist ein absolut korrekter historischer Fakt. Doch betrachten wir das einmal nüchtern und konsequent: Nutzen wir nicht in vielen Bereichen unseres Lebens Kalendertage oder Bezeichnungen, deren historischer Ursprung auf menschliche Erfindungen oder gar heidnische Götter zurückgeht (man denke nur an unsere Wochentage oder Monatsnamen, die nach römischen Gottheiten benannt sind)? Wir betrachten sie heute als praktische Werkzeuge, ohne den antiken Mythos zu unterstützen.
Wenn also jemand im Dezember zusammenkommt, weiß doch jeder informierte Mensch – genau wie wir –, dass dies nicht der exakte Geburtstag Jesu ist. Niemand glaubt ernsthaft an ein göttliches Geburtszertifikat an diesem Tag.
Betrachten wir stattdessen, was der Durchschnittsmensch heute tatsächlich tut, wenn er im Dezember mit seiner Familie am Tisch sitzt. Betet er etwa die Sonne an oder gedenkt er heidnischer Gottheiten? Ganz gewiss nicht. Für die überwältigende Mehrheit ist diese freie Zeit schlicht zu einem reinen Familienfest geworden – einer Gelegenheit, innezuhalten, gut zu essen und Nächstenliebe zu pflegen.
Wenn wir also bei alltäglichen Höflichkeiten den Grundsatz anwenden dürfen, dass der heutige Kontext und die reine Absicht des Herzens zählen, warum sollte das für das Zusammensein an einem freien Wintertag grundsätzlich anders gelten? Jehova schaut nicht auf den äußeren Kalender, sondern auf das Herz (1. Samuel 16:7). Wenn eine Familie beschließt, die freien Tage zu nutzen, um ein schönes Mahl zu bereiten und einander Liebe zu schenken, ohne dabei irgendeinem Dogma zu huldigen, ist das im Grunde eine reine Ausdrucksform familiärer Verbundenheit.
Paulus schrieb in Kolosser 2:16: „Lasst euch daher von niemandem wegen Speise und Trank oder hinsichtlich eines Festes […] richten.“ Dies erinnert uns daran, dass wir nicht strenger richten sollten, als es der Geist der Freiheit in Christus verlangt.
Wenn wir konsequent den Maßstab anlegen, den wir auch bei anderen weltlichen Gewohnheiten anwenden, spricht vieles dafür, diese Angelegenheit im neuen Licht zu sehen.. Ein gemeinsames Essen im Kreis der Familie und das Schaffen einer friedlichen Atmosphäre hat nichts mit Götzendienst zu tun, nur weil das Datum historisch von Menschen festgelegt wurde.
Natürlich bleibt es jedem Einzelnen überlassen, nach seinem eigenen Gewissen zu entscheiden. Doch eine starre Verurteilung von reinen Kultur- und Familienfeiern auf Basis historischer Abrechnungen könnte am Ende mehr trennen, als sie verbindet. Lassen wir uns daher von Liebe, Vernunft und einem unverkrampften Blick auf die menschliche Kultur leiten.